Klassische Moderne

Der Begriff Klassische Moderne in der bildenden Kunst bedeutet das Ende der Mimesis, sprich der Naturnachahmung. Der Beginn dieser Epoche wird begründet und ist eng verwoben mit den Ideen Paul Cézannes (1840-1906), der nicht mehr nach der Natur malt, sondern vor der Natur die Bildwelt auf Konus, Kegel und Kubus reduziert, neu konstruiert und so einen Blick hinter die Erscheinungen wirft.

Die Subjektivität des Auges, also die Relativität des Sehens in Bezug auf den Gegenstand, wird zum Maß aller Dinge, die nominalistische Objektivität, sprich die Naturnachahmung in der Malerei weicht. Die Künstler sind im kantianischen Sinne auf der Suche nach dem Ding an sich oder nach den Dingen, die sich hinter den Erscheinungen verbergen.

Auch die Impressionisten (Monet, Manet, Degas), Pointillisten (Seurat, Signac) bereiten dann über Paul Gaugain und Vincent van Gogh die große Phase der Avantgarde 1906-12 (Picasso, Matisse), den Höhepunkt der Klassischen Moderne, vor.

Der Abschluss der Klassischen Moderne manifestiert sich im Konstruktivismus und symbolisch gesehen in Kasimir Malewitschs Schwarzen suprematistischen Quadrat (1914,1915). In Deutschland dürfte der Zeitpunkt mit der Schließung des Bauhauses im Jahre 1933 als Ende der Epoche der Klassischen Moderne anzusetzen sein .

Da die Malerei des Jahrhundertkünstlers Picassos in Stil und Form jedoch alles überdauert hat, endet der Zeitraum der Klassischen Moderne mit dessen Tod im Jahre 1973. Entscheidend bei dieser Bewegung war die Internationalität des künstlerischen Austausches von Moskau über Dresden, München (Klee, Kandinsky) bis nach Paris und New York. Die Strahlkraft dieser Epoche und ihre Bewegung reicht bis in die Gegenwartskunst hinein. Auch in deren Ideen spiegeln sich bis heute die Grundlagen des Umdenkens seit Cézanne.